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   Essener Bürgerinitiative gegen den Bau der A52    

 
WAZ vom 2. März 2002
 

PRO UND CONTRA:     Soll die A52 ausgebaut werden?

Seit die Planer von Bilfinger + Berger ihr neues Konzept für einen A52-Ausbau vorgelegt haben, ist die Diskussion um das Projekt neu entfacht. Befürworter hoffen auf freie Fahrt, Anwohner fürchten um ihre Lebensqualität.

 

Fragen von WAZ-Reporter
Matthias Armborst

Norbert Königshofen.
Der Essener Bundestagsabgeordnete ist verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.
 

Patrik Köbele.
Der Stoppenberger engagiert sich seit langem in der Gruppe "Stoppt die A 52" und ist einer ihrer Sprecher.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz:
Der A52-Ausbau bedeutet für Essen...

... und seine Bürger insgesamt einen wichtigen Schritt in Richtung weniger Verkehrschaos, weniger Lärmbelästigung und eine bessere Verkehrsanbindung.

... fünf bis zehn Jahre Baustelle mit Dreck, Lärm und Abgasen. Danach Abgase und Lärm von bis zu 100.000 Autos täglich, kaum bis gar keine Entlastung der heutigen Problembereiche, Verlust an Lebens- und Wohnqualität sowie an Grünflächen. Wer kann, wird aus den betroffenen Gebieten flüchten. Altenessen, Stoppenberg und Frillendorf werden zerschnitten, denn nur geringe Teile der Strecke sind als Tunnel geplant.
 

Kann die neue A 52 die Verkehrsprobleme am Knotenpunkt Essen-Ost lösen?

Ja- und nicht nur diese Probleme. Die A 52 wird zu einer Entspannung des gesamten innerstädtischen Verkehrs beitragen. Außerdem schafft sie den längst überfälligen Korridor für den Ruhrgebiets-Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung und umgekehrt.
 

Nein, sie wird sie eher verstärken. Die Ursache der Probleme ist die Fehlplanung der Auffahrt in Frillendorf, die zu Rückstaus führt. Die A52 würde diesem Engpass nur noch mehr Verkehr zuführen.

Wirtschaftsvertreter und viele Autofahrer wünschen sich eine verlängerte A 52, Anwohner fürchten um ihre Lebensqualität. Wessen Interessen wiegen schwerer?

Es geht nicht um eine Entscheidung zugunsten einer Interessengruppe. Man muss den Zusammenhang sehen: Der A52-Weiterbau bringt den Menschen - vor allem im Bereich der B 224 - aber auch im gesamten Ruhrgebiet mehr Vor- als Nachteile. Auch die Anwohner im Essener Norden gehen nicht leer aus: Wo Belastungen drohen, wird die A 52 in Tunnel- oder in Troglage geführt.
 

Eigentlich müssten es die Interessen der Menschen, die hier leben sein, gerade, wenn dauernd über Stadtflucht lamentiert wird. Wie so oft fürchte ich aber, dass die offizielle Politik dem zwar mit Worten zustimmt, aber das Gegenteil tut.

Was halten Sie von der Idee, den Autobahn-Bau durch eine Maut-Gebühr zu finanzieren?

Verkehrspolitik wird durch zwei Grundtatsachen bestimmt. Erstens: Zunahme des Verkehrs - egal, ob man das gut findet oder nicht. Zweitens: Die chronisch angespannte Haushaltslage in Bund und Land zwingt die Politik, nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten von Verkehrsinfrastruktur zu suchen. Deshalb halte ich die Idee, den Autobahn-Bau privat zu finanzieren, grundsätzlich für eine begrüßenswerte Idee. Zu entscheiden ist aber immer von Fall zu Fall.
 

Ich bin mir sicher, dass dies ein Trick ist, um vorzugaukeln, dass der Ausbau finanzierbar ist. Dadurch soll die A52 wieder realistisch erscheinen. Später wird man das fallen lassen - dann muss der Steuerzahler blechen (schon vor zehn Jahren stand eine Summe von 375 Mio Euro im Raum). Sollte die Maut-Gebühr tatsächlich kommen, würde das den Essener Bürgern wenig nützen: Welcher Pkw-Fahrer kann schon zwischen 1,38 und 2,70 Euro pro Fahrt bezahlen?
 

Gibt es Alternativen zum Ausbau-Projekt?

In diesem Fall nicht. Grundsätzlich geht es aber darum, die verschiedenen Verkehrsträger intelligent zu vernetzen. Zugespitzt formuliert: Verkehrspolitische Probleme löst man nicht allein durch Autobahn-Neubauten. Umgekehrt ist es aber unsinnig zu meinen, man wäre alle Probleme los, wenn man auf Autobahn-Neubauten verzichtet. Leider gibt es hier keine einfachen Lösungen.


 

Ja. Verstärkte Anstrengungen, um mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen und den quantitativen und qualitativen Ausbau des Öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs, der ja insbesonders in West-/Ost-Richtung völlig unterentwickelt ist.